„Hallo Oma, rate mal, wer hier ist?" oder „Hier spricht die Kriminalpolizei: In Ihrer Nachbarschaft wurde eingebrochen, Ihre Wertsachen sind in Gefahr!" Solche Sätze hören Seniorinnen und Senioren im Kreis Offenbach fast täglich am Telefon. Die Täter agieren professionell, setzen Betroffene massiv unter Zeitdruck und erzeugen emotionale Ausnahmesituationen.
Wissen schützt: Wer die Tricks der Betrüger kennt, kann besonnen reagieren und die Masche sofort durchkreuzen.
Die drei gefährlichsten Betrugsmaschen
1. Schockanruf: Der angebliche tödliche Verkehrsunfall
Das Telefon klingelt, im Hintergrund weint eine verzweifelte Stimme: Angeblich hat die Tochter, der Sohn oder das Enkelkind einen schweren Unfall verursacht, bei dem jemand getötet oder lebensgefährlich verletzt wurde. Ein vermeintlicher Staatsanwalt oder Polizist übernimmt das Gespräch und behauptet, nur gegen Zahlung einer Kaution von mehreren zehntausend Euro könne die sofortige Untersuchungshaft abgewendet werden.
Die Wahrheit: In Deutschland verlangt weder die Polizei noch eine Staatsanwaltschaft jemals am Telefon eine Bargeldkaution! Es gibt keine Kautionsübergaben auf der Straße oder an angebliche Boten.
2. Falsche Polizeibeamte
Auf dem Telefondisplay erscheint durch technische Manipulation (Call-ID-Spoofing) scheinbar die Notrufnummer 110 oder die Vorwahl von Langen. Ein Anrufer gibt sich als Beamter der Polizeistation Langen aus und behauptet, bei festgenommenen Einbrechern sei ein Notizbuch mit der Adresse des Opfers gefunden worden. Man solle nun Bargeld, Schmuck und Goldbarren zur sicheren Verwahrung an zivile Polizisten übergeben.
Die Wahrheit: Die echte Polizei ruft niemals unter der Notrufnummer 110 an. Echte Polizisten holen niemals Geld oder Wertgegenstände zur Verwahrung ab.
3. Falsche Handwerker und Glas-Wasser-Trick
An der Haustür klingeln Unbekannte, die sich als Mitarbeiter der Stadtwerke Langen, Handwerker oder Heizungsableser ausgeben. Sie behaupten, es gebe einen akuten Rohrbruch in der Nachbarschaft. Während ein Täter den Senior im Badezimmer ablenkt, durchsucht der Komplize unbemerkt das Schlafzimmer nach Bargeld und Schmuck.
Die fünf goldenen Verhaltensregeln
- Sofort auflegen: Sobald ein Anrufer nach Geld, Schmuck oder Kontodaten fragt oder emotionalen Druck aufbaut: Beenden Sie das Gespräch sofort, ohne Abschiedsformel. Auflegen ist nicht unhöflich, sondern schützt Ihre Existenz!
- Rückruf unter bekannter Nummer: Rufen Sie den betroffenen Angehörigen unter der gewohnten, Ihnen bekannten Handynummer zurück, um den Sachverhalt aufzuklären.
- Niemals Geld übergeben: Händigen Sie niemals Bargeld, Sparbücher oder Wertgegenstände an fremde Boten aus.
- Fremde nicht in die Wohnung lassen: Öffnen Sie Fremden die Tür nur mit vorgelegter Sicherheitskette oder Sperrbügel. Verlangen Sie von Handwerkern und Behördenvertretern immer Dienstausweise und prüfen Sie diese bei der jeweiligen Dienststelle nach.
- Notruf 110 wählen: Wenn Ihnen etwas verdächtig vorkommt: Wählen Sie sofort 110. Die Polizei ist rund um die Uhr für Sie da.
Ansprechpartner vor Ort in Langen
Polizeistation Langen
Die Wache in Langen ist rund um die Uhr besetzt und zuständig für Langen und Egelsbach.
- Adresse: Südliche Ringstraße 80, 63225 Langen
- Telefon (24/7): 06103 9030-0
- Notruf in Notlagen: 110
Schutzfrau vor Ort & Sicherheitsberater für Senioren (SfS)
In Langen steht Ihnen Polizeioberkommissarin Tatjana Rasch als Schutzfrau vor Ort zur Seite. Zusammen mit den ehrenamtlichen Sicherheitsberatern für Senioren bietet sie regelmäßige Bürgersprechstunden und Informationsveranstaltungen an.
- Telefon SvO: 06103 9030-14
- Beratungsthemen: Einbruchschutz, Trickbetrug, sicheres Verhalten im öffentlichen Raum.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sollte ich meinen Vornamen aus dem Telefonbuch löschen lassen?
Ja, das ist eine sehr wirksame Vorsichtsmaßnahme. Betrüger suchen in Telefonverzeichnissen gezielt nach traditionellen Vornamen (wie Hildegard, Werner, Erika, Heinrich). Lassen Sie Ihren Vornamen bei Ihrem Telefonanbieter auf den Anfangsbuchstaben abkürzen oder den Eintrag ganz löschen.
Was mache ich, wenn ich bereits Geld übergeben habe?
Schämen Sie sich nicht! Betrüger sind geschulte Psychologen. Verständigen Sie unverzüglich die Polizei unter 110, sperren Sie sofort alle Bankkarten über die Sperr-Notrufnummer 116 116 und sichern Sie Beweise (Notizen, Telefonnummern, Beschreibungen).