Vergesslichkeit gehört im Alter bis zu einem gewissen Grad dazu. Doch wenn Verabredungen regelmäßig versäumt werden, der Umgang mit Geld plötzlich überfordert, Worte fehlen oder Misstrauen gegenüber engsten Familienmitgliedern entsteht, wächst die Sorge: Handelt es sich um eine beginnende Demenz?
In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, die allermeisten von ihnen mit der Alzheimer-Krankheit. Die Diagnose ist ein Schock, aber sie schafft auch Klarheit: Denn Verhaltensänderungen sind Symptome einer Erkrankung, nicht böser Wille.
Schritt 1: Eine fundierte medizinische Diagnose einholen
Nicht jede Gedächtnisstörung ist eine Demenz! Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-B12-Mangel, Depressionen oder die Nebenwirkungen einer ungeeigneten Medikamentenkombination (Polypharmazie) können Verwirrtheitszustände auslösen. Eine gründliche Abklärung ist daher unverzichtbar.
Der Weg zur Diagnose verläuft über drei Stationen:
- Hausarztpraxis in Langen: Erste orientierende Tests (wie Uhrentest oder Mini-Mental-Status-Test), Blutuntersuchungen und Überweisung zum Facharzt.
- Neurologie und Psychiatrie: Fachärztliche Untersuchungen in spezialisierten Praxen im Stadtgebiet.
- Zentrum für Altersmedizin an der Asklepios Klinik Langen: Bei komplexen Fragestellungen bietet die geriatrische Abteilung der Asklepios Klinik Langen (Röntgenstraße 20, Telefon 06103 912-0) modernste Diagnostik inklusive bildgebender Verfahren (MRT/CT) zur Differenzierung der Demenzform.
Schritt 2: Das Programm „Familiale Pflege“ an der Asklepios Klinik Langen
Angehörige, die plötzlich mit einer Demenzdiagnose oder Pflegebedürftigkeit konfrontiert sind, erhalten an der Asklepios Klinik Langen außergewöhnliche Unterstützung:
Familiale Pflege & Pflegetrainings
Gesundheits- und Pflegekoordinator Thomas Morgenstern leitet das Programm an der Klinik. Es richtet sich an alle pflegenden Angehörigen:
- Individuelle praktische Pflegetrainings direkt am Klinikbett vor der Entlassung.
- Kostenlose Begleitung und Hausbesuche bis zu sechs Wochen nach der Entlassung.
- Mehrtägige Initialpflegekurse und spezielle Demenzkurse für Angehörige.
- Telefon: 06103 912-61008
Schritt 3: Pflegegrad und Leistungen sichern
Bereits bei beginnender Demenz sollte zügig ein Pflegegrad beantragt werden. Seit der Einführung des aktuellen Begutachtungsverfahrens werden kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen (Modul 2 und 3) gleichberechtigt mit körperlichen Einschränkungen gewertet. Schon ab Pflegegrad 2 steht das volle monatliche Pflegegeld zu.
Zusätzlich steht ab Pflegegrad 1 der Entlastungsbetrag von 131 Euro pro Monat zur Verfügung. Damit können anerkannte Alltagsbegleiter finanziert werden, die mit dem Erkrankten spazieren gehen, Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen oder Fotoalben betrachten, während die Pflegeperson in Ruhe einkaufen oder ausspannen kann.
Schritt 4: Tagespflege zur Entlastung nutzen
Pflegende Angehörige kommen oft an ihre körperlichen und seelischen Belastungsgrenzen. Eine der wirksamsten Entlastungen ist die Tagespflege: Der Demenzerkrankte wird morgens von einem Fahrdienst abgeholt, verbringt den Tag in geselliger Atmosphäre mit gemeinsamen Mahlzeiten, Singen und Gymnastik und kehrt am späten Nachmittag nach Hause zurück.
Das Besondere: Die Kosten für die Tagespflege werden von der Pflegekasse über ein eigenes, zusätzliches Budget finanziert, ohne dass das reguläre Pflegegeld gekürzt wird!
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie reagiere ich richtig, wenn mein Angehöriger Dinge vergisst oder Unwahres behauptet?
Vermeiden Sie es unbedingt, mit dem Erkrankten zu streiten oder ihn zu korrigieren. Sätze wie „Das habe ich dir doch eben erst gesagt!" erzeugen Scham und Aggression. Nutzen Sie die Methode der Validation: Nehmen Sie die Gefühle des Menschen ernst, gehen Sie auf seine Erlebniswelt ein und lenken Sie behutsam auf ein positives Thema ab.
Gibt es in Langen eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzerkrankten?
Ja, über die Alzheimer Gesellschaft und das Demenzforum im Kreis Offenbach sowie das Begegnungszentrum Haltestelle werden regelmäßige Gesprächskreise für pflegende Angehörige angeboten. Der Austausch mit Menschen in gleicher Situation entlastet enorm.